Energiepult

Die Frage

Lohnt sich Direktvermarktung für deine Solaranlage?

Beispiel: 25 kWp, Ost-West, 15 kWh Speicher, Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und E-Auto. Gerechnet Stunde für Stunde mit den echten Börsenpreisen 2024, mit Marktprämie, negativen Preisen und den Kosten eines Vermarkters.

Die Antwort

Nein.− 452 € im Jahr gegenüber der Einspeisevergütung

Mit Direktvermarktung bekäme deine Anlage 980 € im Jahr (davon 385 € Marktprämie), die Einspeisevergütung 822 €. Der Unterschied von 158 € reicht nicht für 610 € Kosten im Jahr (Grundgebühr, Gebühr je kWh und Einrichtung).

Börsenwert deines Solarstroms5,12 ct/kWh
Deine Vergütung7,08 ct/kWh
Eingespeist pro Jahr15.345 kWh
Davon bei negativem Preis3.722 kWh (24 %)

Ab wann es sich lohnt: Ein Angebot rechnet sich für deine Anlage, wenn der Vermarkter höchstens 148 € Grundgebühr im Jahr verlangt (ohne Gebühr je kWh) oder höchstens 1,27 ct je kWh (ohne Grundgebühr). Die Einrichtung von 200 € ist auf 20 Jahre verteilt schon eingerechnet.

Bei diesen Kosten rechnet sich die Direktvermarktung ab rund 60 kWp. Mit Süd statt Ost-West wäre dein Solarstrom an der Börse 5,32 ct/kWh wert (Ergebnis − 423 € im Jahr).

Genauer rechnen

Im Hauptrechner siehst du deine Anlage als Ganzes:

Diese Angaben nehmen wir mit: 25 kWp Ost-West Speicher 15 kWh

Genau für deine Anlage rechnen

So funktioniert Direktvermarktung

Bei der Direktvermarktung verkauft ein Direktvermarkter deinen Solarstrom an der Strombörse und zahlt dir den Erlös monatlich aus, abzüglich seiner Gebühr. Anlagen mit Anspruch auf EEG-Förderung bekommen zusätzlich die Marktprämie vom Netzbetreiber. Sie gleicht die Lücke zwischen dem anzulegenden Wert deiner Anlage und dem Monatsmarktwert Solar aus, also dem Durchschnittspreis, den Solarstrom im jeweiligen Monat an der Börse erzielt hat. Der anzulegende Wert liegt 0,4 ct über der Einspeisevergütung (§ 53 EEG).

Im Schnitt erhältst du damit etwa die Einspeisevergütung plus 0,4 ct. Mehr wird es nur, wenn deine Einspeisung wertvoller ist als die einer durchschnittlichen Solaranlage, zum Beispiel weil eine Ost-West-Anlage mehr in die teureren Morgen- und Abendstunden liefert, oder wenn der Monatsmarktwert über dem anzulegenden Wert liegt. Im Jahr 2024 war das im Spätherbst und Winter der Fall. Für Anlagen unter 100 kWp ist die Direktvermarktung freiwillig, ab 100 kWp Pflicht.

Ob es sich lohnt, hängt deshalb vor allem an der Größe der Anlage und an den Kosten des Vermarkters. Typische Hausanlagen verlieren bei einer Grundgebühr von 50 € im Monat, größere Anlagen ab etwa 60 kWp gewinnen. Mit einem günstigen Angebot verschiebt sich die Grenze nach unten, den Schwellenwert für deine Anlage zeigt die Rechnung oben.

Was Direktvermarktung kostet

Laut ADAC (Stand Februar 2026) solltest du mit mindestens rund 50 € Grundgebühr im Monat rechnen, manche Vermarkter verlangen zusätzlich rund 200 € für die Einrichtung. Andere rechnen eine Gebühr je kWh ab. Ein intelligentes Messsystem ist für Anlagen über 7 kW ohnehin Pflicht. Wer es freiwillig einbauen lässt, zahlt höchstens 100 € einmalig, der Betrieb kostet 50 bis 140 € im Jahr, eine Steuerungseinrichtung bis zu 50 € im Jahr. Weil die Angebote sehr unterschiedlich sind, nennt diese Seite keine Anbieter, sondern die Grenze, bis zu der sich ein Angebot für deine Anlage rechnet.

Negative Strompreise

Für neue Anlagen gibt es seit dem 25. Februar 2025 in Stunden mit negativem Börsenpreis keine Einspeisevergütung, diese Zeit wird an das Ende des Förderzeitraums angehängt. In der Direktvermarktung entfällt in diesen Stunden die Marktprämie, der Vermarkter regelt die Anlage dann in der Regel ab. In beiden Fällen bringt Strom in diesen Stunden nichts. Im Datenjahr 2024 gab es 457 Stunden mit negativem Preis, die meisten davon mittags im Frühjahr und Sommer.

Ausgeförderte Anlagen (Ü20)

Nach 20 Jahren endet die EEG-Vergütung. Bleibt die Anlage beim Netzbetreiber, zahlt er den Jahresmarktwert Solar abzüglich eines Vermarktungsentgelts. 2025 waren das 4,508 ct abzüglich 0,228 ct. Diese Übergangsregel gilt längstens bis 2032. In der Direktvermarktung ohne Förderanspruch gibt es nur den Börsenpreis, ohne Marktprämie und ohne Untergrenze. Die Anlage ist abbezahlt, deshalb vergleicht diese Seite den Erlös pro Jahr.

Was sich ab 2027 ändern soll

Nach dem Regierungsentwurf zur EEG-Novelle (Stand 16. Oktober 2026, noch nicht beschlossen) sollen neue Anlagen unter 25 kW ab 2027 keine feste Einspeisevergütung mehr bekommen. Stattdessen ist eine Übergangszahlung von anfangs 5,2 ct/kWh für 36 Monate vorgesehen, für die Direktvermarktung ein Bonus von 1,5 ct/kWh für vier Jahre und eine Einspeisegrenze von 50 % der Leistung. Für Anlagen, die bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, gelten die bisherigen Regeln. Sobald das Gesetz beschlossen ist, rechnet diese Seite die neuen Regeln nach.

So wird gerechnet

Rechenweg
  1. Für jede der 8.760 Stunden des Jahres 2024 rechnet Energiepult, wie viel Strom deine Anlage erzeugt (Monatsertrag aus PVGIS, über den Tag verteilt nach Sonnenstand und Ausrichtung), wie viel dein Haus selbst nutzt, was der Speicher aufnimmt und was ins Netz geht. Es ist derselbe Rechenkern wie im Hauptrechner, mit denselben Annahmen.
  2. Einspeisevergütung: Einspeisung × Vergütungssatz, ohne Zahlung in Stunden mit negativem Preis.
  3. Direktvermarktung: Einspeisung × Börsenpreis der jeweiligen Stunde plus Marktprämie des Monats (anzulegender Wert minus Monatsmarktwert Solar, nicht unter null), ohne Zahlung in Stunden mit negativem Preis. Davon ab gehen Grundgebühr, Gebühr je kWh und die Einrichtung, verteilt auf 20 Jahre.
  4. Monatsmarktwert Solar: Börsenpreise 2024, gewichtet mit einem typischen Solarprofil (Süd 35°, Mitte Deutschlands, Sonnenstand mit Sommerzeit). Im Modell ergibt das einen Jahreswert von 4,66 ct/kWh, nahe am offiziellen Jahresmarktwert Solar 2024 (4,624 ct, DGS). Vergütung und Direktvermarktung werden mit denselben Daten gerechnet.
  5. Ausgeförderte Anlagen: Netzbetreiber zahlt Jahresmarktwert Solar (Modell) minus 0,228 ct, Direktvermarktung nur den Börsenpreis.
  6. Grenzen der Rechnung: Der Speicher dient dem Eigenverbrauch. Ein Speicher, der gezielt abends zu hohen Preisen ins Netz einspeist, ist nicht eingerechnet; damit könnte Direktvermarktung mit Speicher etwas besser abschneiden. Ein Teil des Mehrerlöses entsteht im Spätherbst und Winter 2024, als der Marktwert Solar über der Vergütung lag; in anderen Jahren kann er kleiner oder größer ausfallen.
  7. Schwellenwert: der Mehrerlös gegenüber der Vergütung, abzüglich der auf 20 Jahre verteilten Einrichtung. Bis zu dieser Grundgebühr im Jahr (oder dieser Gebühr je kWh) rechnet sich ein Angebot.
Quellen

Alle Angaben sind unverbindliche Näherungen auf Basis von Annahmen und Durchschnittswerten, ohne Gewähr. Energiepult ist unabhängig, nennt keine Anbieter und bekommt keine Provision.